Fehlgeburt

Definition und Hintergrund

Eine Fehlgeburt ist eine Schwangerschaft, die endet bevor der sich entwickelnde Embryo bzw. Fetus lebensfähig ist. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche nennt man das Kind Embryo, danach Fetus.

Eine Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft ist ein häufiges Ereignis. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass 10-20% aller Schwangerschaften in einer Fehlgeburt vor der 20. Schwangerschaftswoche enden. 80% dieser Fehlgeburten passieren in den ersten 12 Schwangerschaftswochen. Die wirkliche Rate an Fehlgeburten ist noch viel höher, da die meisten Fehlgeburten dann passieren, wenn die betroffenen Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Eine Studie zeigte, dass insgesamt 31% aller angelegten Schwangerschaften in eine Fehlgeburt münden.

Es gibt unterschiedliche Formen einer Fehlgeburt. Diese werden im folgenden kurz aufgeführt.

Drohende Fehlgeburt (Abortus imminens)

Bei Frauen mit vaginaler Blutung/Unterbauchschmerzen in der Frühschwangerschaft aber ohne andere Schwangerschaftsprobleme wird mit die Diagnose Abortus imminens (drohende Fehlgeburt) gestellt. Der Gebärmutterhalskanal ist geschlossen und die Gebärmutter ist der Größe der Schwangerschaft entsprechend. Im Ultraschall kann eine Embryoanlage festgestellt werden. Falls die Schwangerschaft alt genug ist, kann auch eine Herzaktion beim sich entwickelten Embryo festgestellt werden. In den meisten Fällen von drohender Fehlgeburt hört die Blutung nach einigen Tagen wieder auf und die Schwangerschaft kann ohne Schwierigkeiten fortgesetzt werden. In seltenen Fällen kann die Blutung stärker werden und zu einer wirklichen Fehlgeburt führen.

Abortus im Gange

Dies bezeichnet ein Zustandsbild, bei dem die Fehlgeburt nicht mehr aufgehalten werden kann. Der Gebärmutterhals ist eröffnet, die Blutung stark, Bauchkrämpfe sind meistens vorhanden.

Abortus incompletus (inkomplette Fehlgeburt)

Eine inkomplette Fehlgeburt liegt dann vor, wenn bereits das meiste Schwangerschaftsgewebe ausgestoßen wurde, jedoch ein Teil in der Gebärmutter verblieben ist. Typischerweise wurde der Embryo bzw. der Fetus ausgestoßen aber Teile des Mutterkuchens sind noch in der Gebärmutter.

Abortus completus (komplette Fehlgeburt)

Falls eine Schwangerschaft komplett aus der Gebärmutter ausgestoßen wird und keine Reste in der Gebärmutter verbleiben, wird dies als komplette Fehlgeburt bezeichnet. Üblicherweise passiert dies lediglich vor der 12. Schwangerschaftswoche. Nach der Fehlgeburt kann es trotzdem zu Blutungsepisoden und Unterbauchschmerzen kommen, die jedoch ohne weitere medizinischer Intervention wieder aufhören. Eine Ultraschallunterschung bestätigt die klinische Diagnose.

Septische Fehlgeburt

Manche schwangere Frauen mit einer Fehlgeburt entwickeln eine Infektion in der Gebärmutter. Dies wird als septischer Abort bezeichnet. Symptome beinhalten Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein, abdominale Schmerzen, vaginale Blutung und vaginaler Ausfluss.

Missed Abortion (verhaltene Fehlgeburt)

In manchen Fällen kommt es vor, dass sich eine Schwangerschaft anfänglich scheinbar normal entwickelt und bereits eine Embryonalanlage im Ultraschall festgestellt werden kann, und dann der Embryo abstirbt. In diesen Fällen spricht man von einem missed abortion. Das Ultraschallbild ist charakteristisch, man sieht einen Embryo ohne Herzaktion.

Ursachen

Eine Vielzahl von Faktoren kann zu einer Fehlgeburt führen und es ist schwierig mit Sicherheit einen Grund für eine bestimmte Fehlgeburt herauszufinden. Mehrere Ursachen kommen in Frage, so kommt es z.B. bei einem Drittel aller Fehlgeburten vor der 8. Schwangerschaftswoche dazu, dass sich nur die Fruchtblase entwickelt aber kein Embryo darin (gestörte Schwangerschaft). In anderen Fällen kann es sein, dass sich der Embryo vorerst normal zu entwickeln scheint, dieser dann aber abstirbt (missed abortion). Eine Ursache dafür können Fehler in der chromosomalen Anlage (Erbanlage) sein.

Bei einer großen Studie wurde gezeigt, dass 41% aller Fehlgeburten auf chromosomale Abnormitäten (Fehler in der Erbanlage) zurückzuführen sind. In manchen Fällen sind aber auch Krankheiten der Mutter wie z.B. Blutzuckerkrankheit oder anatomische Varianten im Bereich der weichlichen Geschlechtsorgane an einer Fehlgeburt Schuld. Besonders zu erwähnen sind z.B. Myome in der Gebärmutter, die zu einer Fehlgeburt führen können. Weiters können aber auch Hormonprobleme oder Gerinnungsstörungen eine Fehlgeburt verursachen.

Risikofaktoren

Einige Risikofaktoren für Fehlgeburten sind bekannt.

Alter

Ältere Frauen haben ein höheres Risiko für eine Fehlgeburt als junge Frauen.

Anzahl der vorangegangenen Schwangerschaften:

Das Risiko für eine Fehlgeburt steigt bei Frauen die bereits vor dieser Schwangerschaft schwanger waren. Frauen mit 2 oder 3 Schwangerschaften in der Anamnese haben ein höheres Risiko für eine Fehlgeburt.

Vorangegangene Fehlgeburt

Frauen die bereits eine vorangegangene Fehlgeburt haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt in der Zukunft. Das Risiko für eine Fehlgeburt nach einer stattgehabten Fehlgeburt beträgt 20%, nach zwei Fehlgeburten 28% und steigt auf 43% nach drei oder mehr Fehlgeburten an. Im Vergleich dazu hat eine Frau nach einer normalen Schwangerschaft nur ein Fehlgeburts-Risiko von lediglich 5 %.

Rauchen

Nikotinabusus von mehr als 10 Zigaretten pro Tag ist mit einem erhöhten Risiko für eine Fehlgeburt vergesellschaftet.

Alkohol

Ein vermehrter Alkoholkonsum verursacht eine erhöhte Rate an Fehlgeburten. Prinzipiell sollten Frauen mit Kinderwunsch bzw. Frauen in der Schwangerschaft gar keinen Alkohol trinken.

Fieber

Eine erhöhte Temperatur von > 37,5 Grad in der Frühschwangerschaft scheint ein leichter Risikofaktor für eine Fehlgeburt zu sein.

Trauma

Ein Schlag auf den Uterus in der Frühschwangerschaft kann ein Risiko für eine Fehlgeburt darstellen.

Koffein

Übertriebener Koffein-Konsum ist mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko vergesellschaftet.

Andere Ursachen für Fehlgeburten beinhalten bestimmte Infektionen bestimmte Medikamente, Röntgenstrahlung und diverse Umweltgifte.

Anzeichen und Symptome einer Fehlgeburt

Das häufigste Zeichen einer Fehlgeburt ist eine vaginale Blutung und Unterbauchschmerzen in der Frühschwangerschaft. Diese Probleme sollten immer von einem Frauenarzt abgeklärt werden. Oft kommen jedoch auch Blutungen und Unterbauchschmerzen in normalen Schwangerschaften vor. Meistens ist es so, dass Schwangere mit Blutungen und/oder Unterbauchschmerzen (Abortus imminens) danach einen ganz normalen Schwangerschaftsverlauf aufweisen. Eine Behandlung mit einem Gelbkörperhormon kann erwogen werden. Bei Frauen, bei denen in der Schwangerschaft einmal eine kindliche Herzaktion festgestellt wurde, haben eine Chance von 90% ihrer Schwangerschaft erfolgreich auszutragen.

Diagnosestellung

In manchen Fällen ist eine Fehlgeburt bereits aufgrund der beschriebenen Symptome und der klinischen Untersuchung evident. In vielen Fällen ist es jedoch notwendig eine Ultraschalluntersuchung durchzuführen um die Lebensfähigkeit bzw. den Zustand der Schwangerschaft beurteilen zu können.

Ultraschall

Bei Frauen mit einem kompletten Abort sieht man keine Schwangerschaftsanlage mehr in der Gebärmutter, bei allen anderen Patientinnen sind noch Teile bzw. die ganze Schwangerschaft in der Gebärmutter vorzufinden.

Kindliche Herzaktion

Ungefähr 6 Wochen nach dem ersten Tag der letzten Regel kann eine kindliche Herzaktion im Ultraschall dargestellt werden. Dies entspricht ungefähr einer Größe des Embryos von 5mm. Falls bei dieser Größe oder bei größeren Embryonen keine Herzaktion dargestellt werden kann, entspricht diese dem oben angeführten missed Abortion.

Behandlungsoptionen

Sobald die Diagnose Fehlgeburt gestellt wird, muss man sich die weitere Behandlung überlegen. Dabei muss man den Zustand der Mutter und dier Größe des Kindes berücksichtigen. Vor allem ist aber der Wunsch der betroffenen Patientin ausschlaggebend. Die 3 prinzipiellen Möglichkeiten sind Beobachtung (keine Therapie), medikamentöse Therapie oder chirurgische Therapie (Curettage).

Beobachtung

In manchen Situationen brauchen Frauen mit einer Fehlgeburt keine weitere Behandlung. So braucht z.B. bei Frauen mit einer kompletten Fehlgeburt lediglich zugewartet werden, bis die Beta-HCG-Serumspiegel null sind.

Medikamentöse Therapie

In manchen Fällen kann betroffenen Frauen eine medikamentöse Therapie verabreicht werden, um die Schwangerschaftsprodukte aus der Geburtmutter auszustoßen. Dies dauert in den meisten Fällen jedoch mehrere Tage.

Chirurgische Therapie

Die konventionelle Therapie für eine frühe Fehlgeburt ist eine kleine Operation namens Curettage. Der Gebärmutterhals wird aufgedehnt und das Schwangerschaftsprodukt aus der Gebärmutter in den meisten Fällen mit einem Sauger entfernt. Die Saugcurettage ist einer konventionellen Curettage bezogen auf Komplikationen und nachfolgenden Schwangerschaften überlegen. Wie bei jeder Operation kann es auch bei dieser Operation Komplikationen geben, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen gering und beträgt um die 1%. Komplikationen können eine Durchstoßen Gebärmutter (Perforation) sein, sowie eine inkomplette Operation, das heißt, dass weitere Schwangerschaftsprodukte in der Gebärmutter zurückbleiben. In diesem Fall muss eine nochmalige Operation durchgeführt werden.

Verhalten nach einer Fehlgeburt

Nach einer Fehlgeburt wird Frauen empfohlen für 4-6 Wochen keinen Geschlechtsverkehr zu haben, kein Vollbad zu nehmen, keine Tampons zu verwenden und nicht schwimmen zu gehen. Eine Kontrolle beim Facharzt ist in 4-6 Wochen zu empfehlen. Normalerweise wird geraten mindestens 2-3 Monate nach der Fehlgeburt zu warten, bevor man wieder versucht schwanger zu werden. Einige Studien haben jedoch kein erhöhtes Risiko für folgende Schwangerschaften gefunden, wenn dieses Intervall nicht eingehalten wird.

Jegliche Verhütungsmethode inklusive einer Spirale kann sofort nach der Fehlgeburt begonnen werden. Bei Frauen mit Rhesusfaktor negativ ist bei einer Fehlgeburt eine Impfung für zukünftige Schwangerschaften (Rhesogam) notwendig, um die Bildung von irregulären Antikörpern, die sich auch gegen die roten Blutköperchen des Embryos richten können, zu verhindern.

Weiters ist sehr auf den emotionalen Zustand der Frauen Rücksicht zu nehmen. Eine Fehlgeburt kann zu einer nennenswerten Trauerreaktion führen, dies kann unter Umständen auch sehr lange andauern. Eine eventuelle psychologische Betreuung kann in diesen Fällen hilfreich sein.

Wiederholte Fehlgeburt

Die wiederholte Fehlgeburt (Abortus habitualis) wird als spontane Fehlgeburt vor der 20.Schwangerschaftswoche bei 3 oder mehr aufeinander folgenden Schwangerschaften von dem selben Partner definiert. Das Bild der wiederholten Fehlgeburt findet sich bei 0,5 bis 2% aller klinischen Schwangerschaften. Falls eine Ursache für wiederholte Fehlgeburten gefunden wird, kann diese in den meisten Fällen entweder durch eine Operation oder durch medikamentöse Therapieverfahren behoben werden. Bei 50% aller betroffenen Patientinnen lässt sich keine unmittelbare Ursache für die wiederholten Fehlgeburten finden. Bei diesen Patientinnen kann eine empirische Therapie trotzdem zu einer Erhöhung der Lebendgeburtenrate führen.